„Neue Bundesländer – ein riesiges Feld für junge Unternehmer“: Wirtschaft und Kommunalpolitik im Wandel war Thema eines Wirtschaftsforums im Rathaus Stadtbergen

„Neue Bundesländer – ein riesiges Feld für junge Unternehmer“: Wirtschaft und Kommunalpolitik im Wandel war Thema eines Wirtschaftsforums im Rathaus Stadtbergen


Die wirtschaftlichen Aspekte des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik und die momentane Situation in den neuen Bundesländern waren das Thema; das Podium war besetzt mit Hannelore Leimer (Erhard+Leimer, ehemalige IHK-Präsidentin), Alois Strohmayr (Architekt), Dr. Steffen Laub (Bürgermeister der Partnerstadt Olbernhau) und dem Hausherrn und Moderator 1. Bürgermeister Dr. Ludwig Fink. Einem sehr interessierten Publikum im Sitzungssaal des Rathauses vermittelten sie ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen sowie Einschätzungen der momentanen Lage.„Es gab Tausende von Büchern über den Weg vom Kapitalismus zum Sozialismus, aber kein einziges über den umgekehrten Weg“, – damit erklärte Dr. Laub die Schwierigkeiten bei einem absolut neuen Vorgang, der noch dazu unter Zeitdruck stattgefunden hatte, „Unsere Republik stand vor der Insolvenz, über die Hälfte aller Maschinen waren nicht mehr zu gebrauchen, die Produktion der Landwirtschaft reichten nicht mehr aus und die Getreideimporte waren nicht mehr zu bezahlen. Noch zwei bis drei Jahre und der Lebensstandard der DDR hätte um 25 bis 30 Prozent gesenkt werden müssen. Meinen Bürgern sage ich immer, ihr seid unglücklich, weil manche keine Arbeit mehr haben, dabei hattet ihr großes Glück, denn alle unsere Betriebe standen vor der Insolvenz – und die hätte uns und euch alle wirklich vernichtend getroffen!“Momentan stelle er fest, dass mit viel Medienpräsenz bei Karstadt für den Erhalt von rund 2.000 Arbeitsplätzen demonstriert werde, während die Schließung eines Walzwerks mit über 6.000 Arbeitsplätzen und weiterer Industrien mit über 3.000 Arbeitsplätzen in Sachsen nahezu geräuschlos abgelaufen war.Die Situation der maroden Betriebe konnte auch Hannelor Leimer bestätigen: „Als ich das erste Mal in Chemnitz war, konnte ich mir nicht vorstellen, dass man so überhaupt arbeiten konnte. Der Nachholbedarf ist noch immer groß, nach diesen ersten 20 Jahren können wir eigentlich nur eine Zwischenbilanz ziehen. Heute haben wir 80 Leute in einem eigenständigen Betrieb in Chemnitz, wir haben vom ersten Tag an große Unterstützung erfahren und bis heute läuft alles sehr positiv.“Erfahrungen aus der Anfangszeit schilderte auch Architekt Alois Strohmayr, der zum Beispiel in Olbernhau Gymnasium und Sportanlage mit Dreifach-Sporthalle geplant und gebaut hat: „Es gab keine verlässlichen Pläne, weder Flächennutzungspläne noch Bebauungspläne, und die vorhandenen waren zum Teil gefälscht, um mögliche Gegner zu verwirren. Wir kamen zu jedem Termin zu spät, weil wir die maroden Straßen nicht eingeplant hatten. Aber bei der Einführung elektronischer Datenverarbeitung waren uns die dortigen Firmen klar überlegen, die wussten genau, was sie brauchten und wie es zu installieren war.“Wie wichtig gerade in der Anfangszeit die Partnerschaft seiner Stadt mit Stadtbergen war, betonte Olbernhaus Bürgermeister Steffen Laub: „Sie hat uns vor viel Schaden bewahrt – wir waren einfach zu leichtgläubig, wenn westliche Investoren kamen …“Inzwischen, nach 20 Jahren Deutscher Einheit, hat zum Beispiel Sachsen den Westen im Bereich der Chipproduktion überholt, die Arbeitslosigkeit liegt bei nur noch 8,8 % und Hannelore Leimer ist überzeugt, dass in den neuen Bundesländern für junge Unternehmer ein riesiges Feld sei.Fazit der Beteiligten an diesem Witaschaftsforum war: es ist noch ein langer Weg zur völligen Einheit; bis dahin muss und wird die wirtschaftliche Situation der neuen Länder sich weiter berbessern; die der alten Budesländern wird sich etwas verschlechtern – aber dann ist „zusammengewachsen was zusammen gehört.  G.Olms