Geschichten aus der Geschichte

Foto: Archiv Walter Settele

Der Kaiserliche Reichshofrat in Wien befasste sich mit der Haunstetter Mühle

Die Kunstmühle Kühn: Erstmals 1454 als „Ulricanische Mahlmühle“ erwähnt. 1990 kommt das Aus.

Am Lochbach gelegen, durfte sie bis 1990 überleben: die zuletzt von Walter Kühn geführte Haunstetter Mühle. Dessen Vorfahren waren es, die dieses Traditionsanwesen 1907 erwarben. Aber schon weit vorher – im Jahre 1454 – wurde diese Liegenschaft als „Ulricanische Mahlmühle“ erstmals urkundlich erwähnt.

Doch damit nicht genug: Bereits im 12. Jahrhundert gab es in dem zwischen 1006 und 1802 zum Augsburger Reichsstift St. Ulrich und Afra gehörenden Haunstetten einen klösterlichen Mühlenbetrieb, der vielleicht schon an dieser Stelle angesiedelt war. Doch allzu glatt ging dies nicht immer ab.

Oft versiegten die Quellen und es kam nur noch ein trauriges Rinnsal beim Mühlrad an. Etwas unabhängiger von der wechselnden Wasserkraft wurde die Mühle erst um die Wende zum 20. Jahrhundert, als die Industrialisierung auch Haunstetten erreichte und eine Dampfkraftanlage eingesetzt wurde. Ab diesem Zeitpunkt darf sie sich mit dem „modernen“ Namen Kunstmühle schmücken.

Doch vor dieser neuen Zeit gab es öfter richtig Ärger. Als wieder einmal der Lochbach nur einen recht mickrigen Wasserstand zustande brachte, schritt 1733 der Herr Müllermeister zur Selbsthilfe.

Der Wasserkrieg

Er leitete einfach den nachbarlichen und kräftigeren Brunnenbach dem Mühlrad zu. Es kam zu heftigen und jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kurfürstentum Bayern, dem Kloster und der Stadt Augsburg. Ein regelrechter Wasserkrieg wurde geführt.

Dessen Ausgang war recht ungewiss: Der sich immer wieder ändernde Verlauf des Lechs führte nämlich ständig zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Kurbayern und den Augsburgern. Jeder wollte das wertvolle Wasserrecht.

Der Streit ging – sehr zur Freude der Advokaten – hinauf bis zum Hohen Kaiserlichen Reichshofrat in Wien.

Schließlich verpflichtete sich 1738 die Stadt Augsburg, den Lochbach immer so mit Wasser zu versorgen, dass die Haunstetter Mühle „mit wenigstens zwei Gängen“ mahlen kann. Doch schlimm war dies für die Augsburger nicht, schließlich kam ein gut gefüllter der Reichsstadt zufließender Lochbach auch ihnen zugute.

Nach Beendigung des Mühlenbetriebs im Jahre 1990 ist ein Teil dieses Traditionsanwesens traditionsbewusst erhalten geblieben. Das Wohnhaus und das Wasserkraftwerk stehen unter Denkmalschutz. Dem geschichtsträchtigen Haunstetten hat dies gutgetan.