Der Hl. Josef in Kunst und Brauchtum (Prof. Dr. Hans Frei)

Prof. Dr. Hans Frei, Autor unserer Reihe „Aus Volkskunde und Brauchtum, hier mit dem Buch „Der Heilige Josef” (Kunstverlag Josef Fink)Foto: Gunnar Olms

Unter den Heiligenfesten des Kirchenjahres kommt dem Gedenktag des Heiligen Josef eine besondere Bedeutung zu. Bis vor einigen Jahrzehnten war der 19. März in katholischen Gegenden noch ein arbeits- und schulfreier Feiertag. Als Namenspatron war der Nährvater Jesu sehr beliebt und als Sepp, Beppi, Seffi oder Josefa weit verbreitet. Sicherlich hängt diese Popularität mit seiner Rolle als liebevoller Pflegevater des Jesuskindes und als Beschützer der Heiligen Familie zusammen.
In der kirchlichen Kunst spielte er vor allem in der Barockzeit eine wichtige Rolle. Die Vermählung mit Maria, die Herbergssuche und die Geburt Jesu in Bethlehem, die Flucht nach Ägypten, das familiäre Leben im Hause Nazareth haben die Künstler in vielfältiger Weise dargestellt und ausgeschmückt. In den Krippen, die ein Spiegelbild des Glaubens sind, darf die Josefsfigur nicht fehlen.
So ist es nicht verwunderlich, dass der Heilige auch als Patron und Fürsprecher verschiedener Berufe verehrt wird, der Schreiner, Wagner oder Zimmerleute. Dass viele Menschen auch bei Wohnungsnot zu ihm Zuflucht nehmen, hat wohl mit der Herbergssuche zu tun. 1870 wurde er zum Schutzheiligen der Kirche ernannt, Papst Leo XIII. erklärte ihn zum Patron der Arbeiter und Papst Pius XII. setzte 1955 den 1. Mai als liturgisches Fest „Josef der Arbeiter“ ein, um diesem Tag eine christliche Weihe zu geben.
Angesichts dieser vielseitigen Aufgaben als Volksheiliger, ist es kein Wunder, dass der Joseftag auch im weltlichen Bereich zünftig gefeiert wurde mit Musik, Essen und Trinken, auch wenn das Fest in die Fastenzeit fällt. Manche Brauereien haben sogar ein Josefi-Bockbier angeboten. In Aichach wurde 1985 eine „Bayerische Josefspartei“ gegründet und in Königsbrunn hat man einen Josefsbrunnen aufgestellt.
Eine wichtige Rolle spielt der Name „Josef“ auch in der Pflanzenwelt, dort gibt es im Volksmund die „Josefsröschen“ und die „Josefstränen“. Der Grund für die Namensgebung war deren Blütezeit um den 19. März. In den Bauernregeln über Wetter und Wachstum darf der Josefstag nicht fehlen: „Ist es am Josefstage schön, kann es nur gut weitergehen.“ Das wünschen wir allen Lesern dieses Beitrags, auch wenn sie nicht auf den Namen dieses Heiligen getauft sind.