Mobilitätsdrehscheibe Augsburg Hauptbahnhof 2021: Durchbruch am Hauptbahnhof

Der Stahl für den Stahlbeton liegt schon: 40 Meter lang, fast 19 Meter breit und bis zu eineinhalb Meter tief ist die Bodenplatte für einen Teil der Straßenbahnhaltestelle, die im Westteil des Tunnels betoniert wird. Fotos: swa / Thomas Hosemann

Im Sommer dieses Jahres wird es ein Licht am Ende des Tunnels geben. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn dann erfolgt der Durchbruch im Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof. Seit rund sechs Jahren bauen die Stadtwerke Augsburg (swa) von zwei Seiten an dem Tunnel: von der Viktoriastraße im Osten und der Rosenaustraße im Westen. Derzeit trennen die beiden Tunnelenden noch 20 Meter unter dem Bahnsteig A am Bahnhofsgebäude und den Gleisen 1 und 2. Ab Ende September können dann alle Gleise und Bahnsteige wieder für Reisende und Züge genutzt werden.

Der Tunneldurchbruch ist einer der großen Meilensteine beim Bau der Straßenbahnhaltestelle unter dem Augsburger Hauptbahnhof. Nach sechs Jahren Bauzeit ist es im Sommer soweit. Dann wird der 405 Meter lange Tunnel von Ost nach West durchgängig sein. Bis 2023 Passanten durch den Tunnel gehen und die ersten Straßenbahnen mit Fahrgästen die Straßenbahnhaltestelle unter dem Hauptbahnhof nutzen können, vergehen aber nochmals rund zweieinhalb Jahre. Tunnelsohle, Bahnsteige, Wände und die Zwischendecke, die sogenannte Verteilerebene, müssen noch betoniert werden. Teilweise parallel zu den restlichen Betonarbeiten beginnt

Hier werden ab 2023 Straßenbahnen unter den Gleisen des Hauptbahnhofs halten. Hinter der Wand auf der Rückseite sind es noch rund 20 Meter bis zum Tunnelteil, der aus Richtung Innenstadt schon bis unter das Bahnhofsgebäude im Rohbau fertig ist.

der Einbau der Gleisanlagen, Aufzüge, Fahrtreppen und der gesamten Gebäude- und Sicherheitstechnik, von Signalen für die Straßenbahnen bis zur Brandmelde- und Entrauchungsanlage.

Um den Tunneldurchbruch im Sommer sicherzustellen werden derzeit der Bahnsteig C wiederhergestellt und die erste von drei großen Bodenplatten der Tunnelsohle im westlichen Teil des Stationsbauwerkes betoniert. 100 Betonmischer liefern rund 1000 Kubikmeter Beton für die 40 Meter lange, fast 19 Meter breite und bis zu eineinhalb Meter dicke Bodenplatte.

Seit der Eröffnung des neuen zusätzlichen Bahnsteigs F Ende 2018 wird der Tunnel von Westen Bahnsteig für Bahnsteig Richtung Bahnhofsgebäude gebaut. Mittlerweile reicht er bis unter den Bahnsteig B. Anfang Februar folgt der nächste und letzte Abschnitt: es werden die Gleise 1 und 2 für die Züge gesperrt und die Hälfte des Bahnsteigs B, sowie der Bahnsteig A außer Betrieb genommen. Bis September wird mit Betonbohrpfählen die Tragkonstruktion der Eisenbahnüberführung der Gleise 1 und 2 erstellt. Auf die Betonbohrpfähle wird in den weiteren Arbeitsschritten eine Stahlbetonkonstruktion mit Deckenplatte aufbetoniert. Nach Fertigstellung dieser Unterkonstruktion können die Gleise 1 und 2 sowie die Bahnsteige A und B wiederhergestellt und in Betrieb genommen werden.

Bereits im Sommer erfolgt der Tunneldurchbruch unter dem Bahnsteig A von Westen und dem Bahnhofsgebäude von Osten. Dort, unter dem Bahnhofsgebäude, wurde 2020 der Tunnel im Rohbau fertiggestellt. Dieser Abschnitt war in den vergangenen Jahren der kniffligste der gesamten Tunnelarbeiten. Schließlich ist es das älteste noch in Betrieb befindliche Bahnhofsgebäude einer deutschen Großstadt und damit natürlich unter Denkmalschutz. In einem aufwändigen Verfahren mussten die Wände und die oberen Stockwerke des Gebäudes auf Stahlträgern gesichert und mit einer hydraulischen Anlage inkl. umfangreicher Messeinrichtungen vor Setzungen und Erschütterungen geschützt werden.

Mitte des Jahres rückt dann auch zusätzlich der Innenausbau des Tunnels in den Fokus. Ab August startet von Westen beginnend der Gleisbau. Ab November beginnt zusätzlich der Einbau von Heizung, Klima- und Lüftungsanlagen, Sanitär und Entrauchung, sowie die Arbeiten an der Elektrik und den sicherungstechnischen Anlagen.

Wenn die Straßenbahnhaltestelle unter dem Hauptbahnhof 2023 eröffnet wird, ist ein Großteil des Gesamtprojekts „Mobilitätsdrehscheibe“ fertig. Die Straßenbahnlinie 6 ist seit 2010 in Betrieb, der neue Königsplatz wurde 2013 eröffnet und die Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn geht Ende dieses Jahres in Betrieb. 2023 werden zunächst zwei von später drei Linien in der Haltestelle unter dem Hauptbahnhof verkehren, die Linien 4 und 6, die in der unterirdischen Wendeschleife wenden und Richtung Innenstadt zurückfahren. Ebenfalls genutzt werden kann der neue Fußgängertunnel von Westen in den Hauptbahnhof. Die Linie 3, sowie die Linie 5 als Verlängerung der Linie 6 folgen bis voraussichtlich 2026. Für den Bau der Trasse der Linie 5 sind die Genehmigungsunterlagen für den ersten Abschnitt bei der Regierung von Schwaben Ende 2020 eingereicht worden.

Insgesamt investieren die swa rund eine halbe Milliarde Euro in den zukunftsfähigen Ausbau des Nahverkehrs. Das größte Einzelprojekt ist der Hauptbahnhof mit rund 230 bis 250 Millionen Euro. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von swa, Deutsche Bahn und Stadt Augsburg. Mit dem Projekt Hauptbahnhof wird sich die Situation für Fahrgäste wesentlich verbessern. Die Tramhaltestelle im zweiten Untergeschoß ist barrierefrei mit Aufzügen und Fahrtreppen ausgebaut und mit der darüber liegenden ebenfalls barrierefrei ausgebauten Verteilerebene und weiter mit den Bahnsteigen der DB verbunden. Das Projekt wird mit dem Höchstsatz von 83 Prozent der förderfähigen Kosten von Bund und Land bezuschusst. In den zusätzlichen Bahnsteig F für den Regio-Schienen-Takt und die Modernisierung insbesondere bahntechnischer Anlagen investiert die Deutsche Bahn in Augsburg zusätzlich weit über 100 Millionen Euro. 

PM swa