In Regensburg bayerische Geschichte studieren

Während sich Augsburg erst auf den im vergangenen Jahr erhaltenen Titel „Weltkulturerbe“ organisatorisch einrichten muss, besitzt Regensburg diese wertvolle internationale Auszeichnung bereits seit 2006 für die einzigartig erhaltene Altstadt einer mittelalterlichen Großstadt. Darüber hinaus erhielt Regensburg von der Politik das Haus der Bayerischen Geschichte zugesprochen, das im Sommer 2019 eröffnet wurde. Die Fahrt des Seniorenbeirats zusammen mit der Wanderabteilung des TSV Leitershofen am Samstag, 8. Februar war vorrangig der Besuch der dortigen beiden Ausstellungen „100 Schätze aus 1 000 Jahren“ und der Dauerausstellung des Museums gewidmet.
In dem architektonisch futuristisch erstellten Neubau wurden die 39 Teilnehmer in 2 Gruppen aufgeteilt und von speziell ausgebildeten Führern durch die Ausstellungen begleitet.
Zunächst ging es durch die Sonderausstellung, die in die Zeit von 600 n. Chr. bis 1800 zurückführt mit Exponaten aus Bayern, Deutschland und Europa und 1 000 Jahre bayerische Geschichte beleuchtet. Der Bogen spannt sich von einmaligen wertvollen Kunstwerken bis hin zum Alltagsobjekt, das vieles über die damalige Lebenswirklichkeit aussagt. Darunter waren auch zahlreiche Ausstellungsstücke aus unserer Region zu sehen. So das bekannte Portrait von Jakob Fugger dem Reichen, das von Albrecht Dürer geschaffen wurde, ferner ein kostbarer Elfenbeinhumpen von Georg Petel, eine Tischuhr aus Friedberg, die für den orientalischen Markt bestimmt war und eine ziselierte Kuppelform aufweist. Auch zu sehen waren eine Holzskulptur um 1200 mit dem heiligen Benedikt aus dem Stadtmuseum Aichach, die aus Gold und Silber gearbeitete Lepanto-Monstranz aus Ingolstadt, aber auch ein Pestkarren und die schicke Weste des Räuberhauptmanns bayerischer Hiasl.
Die Dauerausstellung umfasst den Zeitraum von 1800 bis heute und beginnt mit der Gründung des Königreichs Bayern über das Königsdrama Ludwig II, den 1. Weltkrieg, der Entwicklung Bayerns zum Freistaat, der Diktatur, den Schrecken des 2. Weltkriegs, dem Wiederaufbau bis in die heutige Gegenwart.
Nach dem Mittagessen im Ratskeller war es den Teilnehmern freigestellt, nochmals in das Haus der Bayerischen Geschichte zu gehen oder einen Bummel durch die Regensburger Altstadt zu machen. Gleich neben dem Restaurant konnte das Alte Rathaus bestaunt werden, in dem von 1663 bis 1806 der immerwährende Reichstag der deutschen Länder stattfand. Auf dem Weg zur Donau kommt man an der 1260 erbauten Patrizierburg mit Goliath-Haus vorbei mit den überdimensionalen Gemälden von David und Goliath von 1573. Durch das Stadttor Bruckmühl und am Salzstadel vorbei kommt man zu einer Hauptsehenswürdigkeit Regensburgs, der Steinernen Brücke über die Donau mit 16 Bögen, erbaut in den Jahren 1135 bis 1146. Wie wohltuend waren für die Teilnehmer die warmen Sonnenstrahlen, die in die engen Gassen der Altstadt nicht eindringen konnten. Auch ein Besuch des Regensburger Doms , St. Peter durfte nicht fehlen mit seinen farbenprächtigen Glasfenstern aus dem 13./14. Jahrhundert und den besonders schönen Plastiken mit ausgeprägten Gesichtszügen. Der Dom ist auch die Heimat der weltbekannten Regensburger Domspatzen.
Nach einer erholsamen Kaffeepause warf man noch einen Blick in die Alte Kapelle. Etwas geblendet von der prächtigen Rokokoausstattung kann man es kaum glauben, dass diese Kirche die Älteste von ganz Bayern ist. Die dreischiffige Basilika und Stiftskirche wurde 1747 vollkommen neu ausgestattet.
Auf der Heimfahrt waren viele Teilnehmer der Meinung, dass man wieder einmal nach Regensburg fahren sollte, um der außergewöhnlich schönen Altstadt mehr Zeit zu widmen. Mit rund 6 000 denkmalgeschützten Gebäuden gibt es keinen Ort in Europa, der mehr davon ausweisen kann. 


Text/Bilder: Raimund Strauch