Ihre Spuren sind heute noch sichtbar
Die Bürgermeister Leo Eichleitner, Otto Aurnhammer, Gustl Ulrich, Otto Miehle und Karl Mögele brachten Göggingen nach vorne.
Göggingen
Als die Industrialisierung bei uns so richtig in Schwung kam und dann noch die schrecklichen Folgen des 1. Weltkriegs zu bewältigen waren, waren in Göggingen zwei „Handwerkerbürgermeister“ die richtigen Steuermänner. Leo Eichleitner – ein Glasermeister und Glasmaler, dessen Vorfahren aus dem jetzt italienischen Trentino zuwanderten und der der Zentrumspartei angehörte – war von 1888 bis 1917 Gemeindechef. Unter seiner Regentschaft veränderte der Ort sein Gesicht: Die Schubertschule entstand, das Gemeindekrankenhaus am Römerweg und eine neue Wertachbrücke wurden gebaut. Und erstmals erhielt Göggingen ein richtiges Rathaus.
Abgelöst wurde er von seinem Handwerkerkollegen, dem Schlosser Otto Aurnhammer. Mit ihm erhielt erstmals ein Sozialdemokrat das höchste Gemeindeamt. Otto Aurnhammer zählte zu den herausragenden politischen Köpfen im Raum Augsburg und war Mitbegründer des Gögginger SPD-Ortsvereins. Er wirkte bis 1933, ehe ihn die Nazis aus dem Amt jagten. 1945 stellte er sich auf Bitten der amerikanischen Militärregierung nochmals als Bürgermeister zur Verfügung.
Ein früherer KZ-Häftling wird Bürgermeister
1946 übernahm dann der Verwaltungsexperte Otto Miehle – er gehörte der CSU an – den harten Bürgermeisterstuhl. Er wurde jedoch überraschend bei der vorgezogenen Kommunalwahl des Jahres 1948 nicht wiedergewählt. Abgelöst wurde er von Gustl Ulrich, der insbesondere die Heimatvertriebenen für sich gewinnen konnte. Doch dessen Amtszeit war arg kurz bemessen: Der große Hoffnungsträger der Sozialdemokraten verstarb schon nach einem Jahr an den Folgen einer im KZ Dachau erlittenen Krankheit.
Jetzt hatte Otto Miehle wieder eine Chance. Er nutzte diese erfolgreich und war dann bis 1960 gemeindliches Oberhaupt.
Schwierige Aufgaben waren zu bewältigen, so die Integration der Heimatvertriebenen. 2000 Flüchtlinge allein aus der sudetendeutschen Stadt und dem Kreis Neudek waren darunter. Unter Otto Miehles Stabführung stieg die Einwohnerzahl um 70 % auf 14.000!
1960 wurde dann in einer Stichwahlentscheidung der von der SPD nominierte Revisionsbeamte Karl Mögele Gemeindeoberhaupt. Seine Bürgermeisterjahre waren geprägt durch die 1000-Jahr-Feier und die Stadterhebung im Jahre 1969 sowie durch die Eingemeindung nach Augsburg im Jahre 1972, gegen die er erfolglos kämpfte. Doch vorher leistete er viel: Was Otto Miehle auf den Weg brachte, vollendete Karl Mögele – Göggingen wurde eine Stadt, innerhalb derer es sich gut leben, wohnen und arbeiten ließ.
Fotos (5): Geschichtskreis und Sammlung Münzenrieder