Geschichten aus der Geschichte

Bis vor gut 200 Jahren bestand das Gögginger Scharfrichterhaus. Derzeit wird in Göggingen über seinen Abriss gesprochen. Ein solcher ist aber nicht vorgesehen. Vermutlich liegt eine Verwechslung vor, da auf einem unterhalb des denkmalgeschützten Scharfrichterhauses befindlichen Anwesen Abbrucharbeiten vorgenommen wurden. Foto: Walter Schliessleder

Historische Betrachtungen von Heinz Münzenrieder und Walter Schliessleder

Eine feine Adresse war es eher nicht …
Das Gögginger Scharfrichterhaus

Bis 1803 amtierte dort der fürstbischöfliche Henker. Die Hinrichtungsstätte war aber nahe des Burgfriedens an der Grenze zu Augsburg gelegen.

Göggingen. Heute ist das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammende zweigeschossige Satteldachgebäude dem noblen Römerweg zugehörig – gleich hinter dem ehemaligen Gögginger Krankenhaus sowie eng an der jetzigen Treppe „runter ins Dorf“ stehend. An einem alten Wertachufer mit Blick weit rüber zu den Westlichen Wäldern.

Errichtet vom Augsburger Fürstbischof, stand es anfangs recht alleine auf weiter Flur – im Müller’schen Gartengut, das beiderseits des heutigen Römerwegs gelegen war. Dieses bildete den südlichen Abschluss einer wie mit grünen Perlen angereihten Folge imposanter Gartengüter.

Vom Klausenberg ausgehend erstreckte sich einst der uralte Bühler’sche Garten entlang der Hangfläche zum Wertachtal und weit nach Süden verlaufend. Er reichte nach Osten bis etwa zur heutigen Allgäuer Straße hin, die teilweise auf der Trasse der früheren Römerstraße nach Kempten entstand.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kommt es zur Teilung dieses „Stammgrundstücks“. Geschichtsträchtige Namen waren im Spiel: Hofrat Hessing erwirbt um 1870 einen attraktiven Teil. Ein landwirtschaftliches Gut – Milchhof genannt – entsteht und das Kurhaus mit seinem grünen Umgriff.

Ab 1918 besitzt dann die Grafenfamilie von Seyssel d’Aix die „Herzkammer“ des Bühler’schen Anwesens mit dem so benannten Seyssel’schen Park, der sich bis zur Bahnstraße erstreckte.

Die „unehrliche“ scharfrichterliche Tätigkeit

Auch der daran sich anschließende Müller’sche Garten mit dem Scharfrichterhaus dürfte auf die ursprüngliche Bühler’sche Liegenschaft zurückgehen. Nördlich des Klausenberg war dann noch das Bischof’sche Gartengut platziert.

Die ursprüngliche Abgeschiedenheit des Scharfrichterhauses entsprach den damaligen gesellschaftlichen Anschauungen. Der Scharfrichter musste nämlich unter anderem im Rahmen der „Blutgerichtsbarkeit“ als Henker Todesurteile vollstrecken oder Folterungen durchführen. Durch diese „unehrliche“ Tätigkeit hatte er in der ständischen Gesellschaft eine soziale Außenseiterstellung inne, die regelmäßig durch seinen abseitigen Wohn- und Dienstort dokumentiert wurde.

Trotz allem lag das Gögginger Scharfrichterhaus fußläufig günstig zum Amtshaus des fürstbischöflichen Vogts am Anfang der heutigen Mühlstraße – dem damaligen Oberen Schlösschen. Für den Vogt war der Scharfrichter sozusagen der „Justiz-Vollstreckungsbeamte“.

In oder beim Scharfrichterhaus wurden aber keine Hinrichtungen vorgenommen. Einiges spricht dafür, dass solches am Burgfrieden nahe der Grenze zu Augsburg geschah. Schließlich musste allen in der fürstbischöflichen Vogtei – zu ihr gehörten neben Göggingen auch Inningen und Bergheim mit Bannacker – Ankommenden durch den dort aufgestellten Galgen aufgezeigt werden, dass im hochstiftischen Göggingen dem Bösen Grenzen gesetzt sind.