Geschichten aus der Geschichte
Das machte doch was her: Göggingen war Kaiserresidenz
Das Untere Schlösschen an der heutigen Adolph-Kolping-Straße diente Maximilian I. als Jagddomizil.
1961 kamen die Bagger. Nach dem den ganzen Ort in Schutt und Asche versetzenden Dreißigjährigen Krieg reichte es immerhin wieder zu zwei neuen Schlösschen: der Einfachheit halber von den Göggingern als das Obere und das Untere benannt. Die beiden herrschaftlichen Liegenschaften waren nur einige hundert Meter voneinander entfernt platziert.
Das Obere Schlösschen residierte am nördlichen Anfang der von der heutigen Aurnhammerstraße abzweigenden Mühlstraße. Das recht ramponierte Anwesen bestand zuletzt nur mehr zum Teil aus dem alten Gemäuer und wurde vor einigen Jahren abgerissen.
Das Untere Schlösschen war an der heutigen Kolpingstraße dort platziert, wo zwischenzeitlich eine lange Reihenhauszeile seine Nachfolge angetreten hat. 1961 zogen die Bagger auf – der Denkmalschutz nahm es ohne großes Murren hin. Der bauliche Zustand war dementsprechend. 1682 wurde das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Schlösschen durch die schwäbischen Landadeligen von Freyberg wieder aufgebaut.
Historisch belegt ist, dass dessen Vorgängeranwesen sogar dem guten Kaiser Maximilian bei seinen vielen Aufenthalten in Augsburg als Jagddomizil diente. Göggingen als Kaiserresidenz – das macht doch was her! Und es war einige Zeit auch im Fugger’schen Besitz.
Eine wichtige überörtliche Bedeutung erhielt das Freyberg-Schlösschen 1806: Als die Baiern westlich des Lech aufzogen, machte sich die staatliche Stiftungsbehörde breit. Dies allerdings nur bis 1809, dann zogen die Schreibtische ins damals noch selbstständige Oberhausen und das Untere Schlösschen kam in private Hände.
Das Obere Schlösschen dürfte 1671 errichtet worden sein. Der Augsburger Fürstbischof machte es zum Amtshaus für den Rentmeister und den Vogt. Und was wichtig war: Auf dem „hochlöblichen Pflegschloss“ war die Sturm- und Feuerglocke angebracht, von der die Gögginger vor Unbill und Gefahr gewarnt wurden.
Als dann Göggingen 1802 kurbairisch wurde, benutzten die neuen Herrschaften das Gebäude kurz weiter. Eine große Änderung kam dann schon 1804: Göggingen wurde Sitz des Landgerichts. Hierfür reichte das Obere Schlösschen bei weitem nicht mehr aus. Deshalb konfiszierten die Kurbayern einfach das damalige Priesteraltersheim an der späteren Hessingstraße und installierten dort das Landgericht, das auch als Bezirksbehörde für das westlich des Lechs gelegene Gebiet außerhalb Augsburgs amtierte.
Und – was ja nicht schlecht ist – aus dem Oberen Schlösschen wurde ein Wohnhaus.