Der Gögginger Geschichtskreis e.V. führt immer wieder Veranstaltungen rund um historische Firmen oder Ereignisse zur Gögginger Geschichte durch.
So entstand im Jahr 2007 ein Erlebnisbericht zur Firma Ackermann (Amann-Gruppe) zum Thema „Ehemalige der Firma ZNFG (Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen) erzählen“.
Eingeladen waren 8 Mitarbeiter, die interessant und lebendig von ihrem Arbeitsalltag berichteten.
Die Ursprünge der ZNFG gehen zurück auf die Zwirnerei Eusebius Schiffmacher & Cie. Diese wurde 1863 nach Göggingen verlegt und 1872 zur ZNFG-Aktiengesellschaft umgewandelt. 1957 wurde sie mit dem Zusammenschluss mit der Fa. Ackermann zur Ackermann Göggingen AG, einer der größten Nähgarnhersteller Europas. Sie bestand bis Ende 2024, zuvor war 1994 die Firmengruppe Amann und Söhne bei Ackermann eingestiegen.
Immer wieder hat die Firma ZNFG Trends aufgegriffen, wie z. B. die 1990 neugebaute vollautomatische Färberei, die zu dieser Zeit ein Vorzeigeobjekt war.
Leider ist die Textilindustrie, für die Augsburg bekannt war, mit dem Ende der Firma Amann am Standort Göggingen nun verschwunden.
In Göggingen hatte die Fa. Amann die Produktion konzentriert, es arbeiten dort zur Zeit des Interviews ca. 370 Menschen in den Bereichen Zwirnerei, Färberei und Aufmachung.
Für sie galt noch die alte Firmenphilosophie, die sich Verantwortung der Führungsriege für die Belegschaft auf die Fahne schrieb. Eine damalige Mitarbeiterin formulierte es nach knapp zwei Stunden spannender Information so:
„Wir waren stets eine Familie, haben fest zusammengehalten…“
Einig waren sich alle damaligen Mitarbeiter über die gute soziale Versorgung durch die ZNFG (Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen) schon anfangs des 20. Jahrhunderts und das, obwohl die Löhne in der Textilindustrie immer mager waren…
„Ich wurde schon um 5.15 Uhr morgens in die sogenannte ‚Kinderschul‘ gebracht“, lobte ein damaliger Mitarbeiter die Einrichtung, die es Müttern möglich machte, in der Fabrik zu arbeiten.
Für Babys bezahlte die ZNFG für das erste Lebensjahr den Aufenthalt in der Krippe, welche damals im Josefinum untergebracht war.
Besonders beliebt waren jährliche Betriebsausflüge und Jubiläumsfeiern, welche alljährlich mit einer Selbstverständlichkeit durchgeführt wurden.
Es wurde gelobt, dass es die Möglichkeit gab, in der alten und später der neuen Kolonie zu wohnen. Dabei handelte es sich um eigens errichtete Firmenwohnungen der ZNFG für die Mitarbeiter.
„Zwei Familien hatten gemeinsam eine Toilette im Treppenhaus.“ Aber es gab eben auch ein Badehaus, Waschküchen und Trockenräume, die als sozialer Fortschritt angesehen wurden. Kohlen wurden von der Firma billig abgegeben und Kartoffeln konnten die Beschäftigten preisgünstig vom firmeneigenen Gut an der Oberen Mühle in Göggingen abholen.
Teilweise stehen diese Gebäude noch heute im Bereich der Wellenburger Straße.
Die Firma Ackermann hatte auch eine eigene Feuerwehr, die im Notfall sofort zur Stelle war.
Produktionsende der Firma Amann war der Jahreswechsel 2024/25. Abgerissen wurde nur die alte Färberei, auf dessen Gelände eine Tiefgarage gebaut wurde, sowie die alten Holzbaracken der Hofabteilung. Heute stehen noch die historischen Gebäude, die zwischenzeitlich nur noch wohnwirtschaftlich oder als Büros und ähnliches genutzt werden.
Gögginger Geschichtskreis 2026
Carola Nagel-Knoblach
Quelle „Gründung“: Wikipedia
Der Gögginger Geschichtsverein feiert heuer sein 25-jähriges Jubiläum. Die Feier mit einem interessanten Vortrag findet am 16. Oktober 2026 um 18:30 Uhr im Gartensaal der Hessingburg in Göggingen statt. Gäste sind herzlich willkommen!