Transformation – Grund zur Panik: Grund zur Hoffnung
von Thomas Seibert, Diplom-Theologe
Es gibt Grund zur Hoffnung in einer Welt, die von schwerwiegenden Krisen und Ängsten geprägt ist! Die Ökumenische Fastenveranstaltung am 17. März 2026, getragen von der evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde, von den beiden katholischen Pfarreiengemeinschaften in Göggingen, Inningen und Bergheim und von der Neuapostolischen Kirche, hat es gezeigt.
Der engagierte ökumenische Arbeitskreis hat sich dieses wichtige Thema überlegt. Die Idee, den bekannten SZ-Autor und Verfasser mehrerer Spiegel-Bestseller Tobias Haberl einzuladen, hat sich als voller Erfolg erwiesen. Fast hundert Personen waren im Roncallihaus zu Gast.
Zum guten Gelingen des Abends, der vom evangelischen Pfarrer Peter Gürth moderiert wurde, haben auch drei weitere Referierende beigetragen. Matthias Fink, CSU-Mitglied des Stadtrates und Vorsitzender des Ortsverbandes Göggingen, Sarah Kilian, Verantwortliche für die KI-Entwicklung bei einem großen international tätigen Medienkonzern, und Thomas Appel, Führungskraft bei einem weltbedeutenden Nutzfahrzeughersteller, haben das Thema Transformation aus ihren Blickwinkeln beleuchtet. Für einen reichhaltigen Büchertisch sorgte Elke Korinth von der Gögginger Buchhandlung Pfiffigunde.
Tobias Haberl konnte mit seiner sehr angenehmen und feinfühligen Art das Publikum gut mitnehmen. Es war ein ansprechender Wechsel von vorgetragenen Passagen seines Buches „Unter Heiden“ und Gespräch mit den Menschen. Sein Ausgangspunkt und der Grund seines Buches waren die außergewöhnlich vielen Reaktionen auf seinen Text „Unter Heiden“, der kurz vor Ostern 2023 im SZ-Magazin erschienen war.
„Ein persönliches Essay darüber, dass ich mich als gläubiger Christ zunehmend unverstanden fühle, wie eine seltene Affenart, die man lieber von der anderen Seite eines Gitters aus bestaunt… Ich hatte ein modernes Glaubensbekenntnis veröffentlicht und – anders als die meisten, die sich heute zum Thema Religion äußern – ihre strahlende Seite in den Mittelpunkt gestellt: die Schönheit, den Trost, die Hoffnung.“
Der Aufsatz im Magazin und das Buch haben ihn verändert, transformiert – zum Guten, wie er betont. Das Bittere: Die Kirche ist eine sündige – ein Blick auf die weiter schwelende Missbrauchskrise zeigt die traurige Wirklichkeit. Darüber hinaus die grundsätzliche Forderung an die Kirche: Was kann sie lernen vom 21. Jahrhundert? Haberl dreht die Frage mutig um: „Was kann das 21. Jahrhundert trotzdem von der Kirche lernen?“
Denn: „Vieles, was zeitgemäß ist, ist nicht gut für uns. Vieles, was gut für uns ist, ist nicht zeitgemäß!“ Eine Welt ohne Gott ist nicht besser. Wenn Menschen ihr Glück an falschen Orten suchen, bleiben ihre tiefen Sehnsüchte unerfüllt. Sie müssen selbst auferlegten Zwängen zur Selbstoptimierung folgen, um immer wieder neu festzustellen, dass sie ihre Mitte verloren haben. Die hohen Quoten von Burn-out belegen es.
„Der Glaube kann helfen, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Maßgebend für mein Leben ist das Evangelium, die Frohe Botschaft, verkündet von Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist ein unverfügbares Geschenk, das befreit.“
Kirche, so Haberl, wird oft als konservativ, also bewahrend, bezeichnet. Aber: „Es geht der Kirche um eine Botschaft, die Zukunftscharakter hat. Es geht um das Kommen des Reiches Gottes.“ Ein letzter und kostbarer Satz des Referenten: „Man wird von Gott geliebt, auch wenn man nichts Besonderes ist!“
In der anschließenden Runde sprach Matthias Fink von Transformation als einer Daueraufgabe für die Politik. Veränderung durch politisches Handeln werde heute ganz anders wahrgenommen als noch in den 60er- und 70er-Jahren. Sei es damals um ein „Mehr“ durch Politik gegangen („Mehr Demokratie wagen“, zusätzliche Gymnasien auch in mittleren Städten und Hochschulen im ganzen Land, deutliche Steigerung des Lebensniveaus), so stehe die Politik heute vor der Aufgabe, das bestehende Niveau überhaupt zu erhalten bzw. in einigen Bereichen sogar zurückzubauen.
Die Ingenieurin Sarah Kilian gab dem Publikum die Aufgabe, den Begriff Künstliche Intelligenz zu erklären. Eine markante Antwort: „Daten“. Um den Begriff KI gibt es inzwischen einen Hype. Alle reden davon, kaum jemand kann ihn genau definieren – was in der Tat schwierig ist. Im Grunde geht es um künstliche und selbstlernende Systeme, die versuchen, menschliche Aufgaben wahrzunehmen. Damit verbunden sind die Angst, persönliche Daten preiszugeben, die missbraucht werden können, und die Angst, durch KI die eigene Arbeit zu verlieren.
Diese Ängste sind berechtigt. Aber: „Noch schlimmer als die durch KI unterstützte Transformation unserer Lebens- und Arbeitswelt wäre Stillstand!“ – „Definieren Sie Ziele, um Lösungen zu erreichen!“ – „Finden Sie Wege, das Problem zu lösen!“ Ihr tröstliches Schlusswort: „Veränderung erzeugt zunächst Unordnung, oft sogar Chaos. Doch am Ende dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott aus dem Chaos eine neue Ordnung macht.“
Der in der Fahrzeugindustrie arbeitende Thomas Appel erklärte, dass bisher gewohnte Geschäftsmodelle und bewährte Lieferketten nicht mehr funktionieren und umstrukturiert werden müssen. Die Marktsituation hat sich durch die Globalisierung grundlegend geändert. Einstige Kunden bauen heute selbst Fahrzeuge, die sie noch vor Jahren in Deutschland gekauft haben. Arbeitsumfeld und Methoden unterliegen einem fundamentalen Wandel.
Arbeit wird zunehmend standortunabhängig, was in der Zusammenarbeit weitere Kompetenzen erfordert – nicht zuletzt sprachliche. Spannend war Appels Vergleich von Industrie und Kirche: Veränderung erzeugt Angst. Aber stärker sind die Kraft der Hoffnung und der Mut zur Veränderung. „Wichtig ist, nicht an Dingen festzuhalten, die nicht mehr funktionieren, sondern Neues zu wagen und Zukunft zu gestalten.“