130 Jahre Obst- und Gartenbauverein Bergheim – bodenständiger Bestandteil des Stadtteils

Vor der Mößmann-Halle pflanzte der Obst- und Gartenbauverein anlässlich deren Fertigstellung eine Linde, die inzwischen zu einem riesigen Baum geworden ist.

Großes Thema bei der Jahreshauptversammlung war das 130-jährige Gründungsjubiläum des Obst- und Gartenbauvereins. Was die Erste Vorsitzende in der Hand hält, gibt Aufschluss über die Geschichte des Vereins, die Namen der Vorstände von damals bis in die jüngste Vergangenheit.

Bereits 1897 beschloss die Versammlung, dem „Kreisverein für Bienenzucht und Obstbau in Schwaben und Neuburg“ beizutreten; eine Zusammenstellung aus dem Jahr 1900 beweist, dass der Verein bereits mit 34 Mitgliedern vertreten war.

Sehr aufschlussreich ist die wechselvolle Geschichte des Vereins, der zwei Weltkriege erlebte und viele seiner Mitglieder verlor. In den Jahren nach der Inflation blieben auch viele landwirtschaftliche Betriebe auf der Strecke, und es galt, auch den Obstbau zu nutzen. Die Leute aus der Stadt scheuten den weiten Weg nicht, um Obst zu erhalten, auch wenn es Fallobst war.

„Ich nehme Sie jetzt mal mit auf eine kleine Zeitreise ins Bergheim des vorletzten Jahrhunderts“, begann Elke Strehle, die Vorsitzende des Vereins, mit dem ausführlichen historischen Teil des Festvortrages.

Die Situation im Dorf Bergheim im Jahr der Vereinsgründung schilderte sie anschaulich: Damals bestand der Ort aus gerade einmal 70 Häusern, am Sonnenhang waren noch Wiesen, zwischen Diebelbachstraße und Wadmannstraße wurden Felder bestellt, den Baggersee gab es noch lange nicht. Und Augsburg war weit weg.

Der Start und die Entwicklung des damaligen „Obstbau-Vereins“ erfolgte zügig, die einzelnen Schritte sind in der Chronik festgehalten. In neuerer Zeit erlangte der Verein – und damit auch Bergheim – einen Bekanntheitsgrad weit über die Gemeinde- und jetzigen Stadtteilgrenzen hinaus, vor allem durch seine Obstpresse, über deren Geschichte und spätere Modernisierung Christine Lechner referierte.

Vor rund 100 Jahren hat sich der damalige Vorsitzende und spätere Bürgermeister erfolgreich darum bemüht, dass bessere Sorten in die Obstgärten kamen. Und da vor allem Frauen sich mit den Gärten beschäftigten, hat er den Gartenbau im Vereinsnamen verankert.

Es wurde eine neue Obstpresse angeschafft, die damals noch mit Wasserdruck arbeitete. Sie stand im hinteren Raum der Milchsammelstelle – und da steht sie heute noch, in dem Haus, das zum Feuerwehrgerätehaus umgebaut und inzwischen zum Dorffreundehaus geworden ist.

Wie auch die Kinder in das Vereinsleben einbezogen werden, dazu erzählte die Zweite Vorsitzende Christine Strobel. Es wurden zusammen mit Kindern gebastelt und Kürbisse geschnitzt, und es gab einen Festabend, bei dem ein Kinderchor gesungen hat.

2021 hätte der Verein ja sein 125-jähriges Jubiläum feiern können, aber da kam die Coronazeit dazwischen, und der Verein konnte es dann im Mai 2022 nachholen.