Strohmayr fordert Wahlfreiheit zwischen G8 und G9: In Schwaben müssen immer mehr Gymnasiasten eine Klasse wiederholen. Nur wenige Mittel- und Realschüler schaffen den Sprung an diese Schulart

 Strohmayr fordert Wahlfreiheit zwischen G8 und G9:
In Schwaben müssen immer mehr Gymnasiasten eine Klasse wiederholen. Nur wenige Mittel- und Realschüler schaffen den Sprung an diese Schulart


Am 22. Februar erhalten rund 1.75 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern ihr Zeugnis für das erste Schulhalbjahr 2012/2013. Vor allem an den Gymnasien könnte Versetzungsgefahr bestehen, auch im Landkreis Augsburg. Die Landtagsabgeordnete Dr. Simone Strohmayr schlägt Alarm.
Wie die Bildungspolitikerin mitteilt, haben bereits im Schuljahr 2011/2012 im Augsburger Land 45 Kinder pflichtgemäß eine Klasse in der Grund- und Haupt- bzw. Mittelschule wiederholt (Realschule: 124; Gymnasium: 134). Die Zahlen sind im Vergleich zum Schuljahr 2010/2011 insgesamt leicht gesunken. Eine große Ausnahme bildet jedoch das Gymnasium mit 30 Schülern mehr, die nicht versetzt wurden. Dazu Strohmayr: „Das Wiederholen am Gymnasium hat sich durch das G8 verstärkt. Viele Kinder sind diesem Leistungsdruck einfach nicht gewachsen. Ich bin der Meinung, alle Kinder müssen von Anfang an in der Schule individuell gefördert werden, nicht erst nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Das von der CSU geplante so genannte freiwillige Intensivierungsjahr in der Mittelstufe am Gymnasium setzt viel zu spät an.“ Eine Entlastung am Gymnasium würde nach Strohmayrs Dafürhalten nur eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 bringen. Genau das wird die SPD bei Regierungsübernahme umsetzen.
Zudem sei das bayerische Schulsystem nur nach unten durchlässig, nicht aber nach oben, argumentiert die Parlamentarierin weiter. Ausnahme sei die Fachoberschule, die in Bayern sehr erfolgreich ist. Laut Kultusministerium sind die Schülerzahlen an FOS/BOS in den letzten zehn Jahren um 78 Prozent gestiegen
Zahlenbeispiele aus dem Landkreis verdeutlichen aber Strohmayrs Gesamtthese. Hier sind 147 Gymnasiasten im Zeitraum von Oktober 2010 bis Oktober 2011 an die Realschule, aber nur 22 Realschüler ans Gymnasium gewechselt. 94 Realschüler gingen zurück an die Mittelschule. Demgegenüber haben 113 Mittelschüler den Sprung an die Wirtschaftsschule geschafft (an die Realschule: 86, ans Gymnasium nur 5).
Mit dieser Bilanz ist Strohmayr höchst unzufrieden. Sie fordert deshalb: „Bildungsverlierer dürfen erst gar nicht in die Schultüte kommen. Wir brauchen die Schule vor Ort, mehr Ganztagsangebote, mehr Lehrer in kleineren Klassen und eine individuelle Förderung unserer Kinder durch mehr moderne Lernkonzepte und weniger anonymen Frontalunterricht.“